Der einzige Weg wie wir Gottes Charakter wirklich kennen können!

In der Bibel finden sich unterschiedliche Gottesbilder. Woher können wir wissen wie Gott wirklich ist? Was ist der Maßstab an dem wir unterschiedliche Gottesbilder der Bibel auswerten? Gibt es eine Offenbarung Gottes die alle anderen übertrumpft? 

Im Johannesevangelium schreibt Johannes, dass niemand jemals Gott gesehen hat (Joh 1,18; 5,37) und dies obwohl Mose mit Gott von Angesicht zu Angesicht geredet hat (Ex 33,11). Im Kontrast dazu betont Jesus, dass er und der Vater eins sind und dass jeder der ihn sieht, den Vater sieht (Joh 10,30; 12,45; 14,9). Somit entsteht beim Lesen des Johannesevangeliums der Eindruck, dass bisher niemand klar Gottes Charakter erkannt hat, aber in und durch Jesu Wirken und Leben offenbart er Gottes wahren Charakter. 

In Hebräer 1,1-3 wird Jesus als exaktes Abbild von Gottes Charakter bezeichnet. Eine Studienbibel erklärt, dass der Begriff „Ausdruck seines Wesens“ (Schlachter) so viel wie „exakte Charakter“ oder auch „exakte Repräsentation“ bedeutet und aus dem Bereich der Münzprägung kommt (Radmacher 2009:Heb 1:3). 

Kol 1,15-20 ist sehr vermutlich eine Hymne der ersten Christen und damit ein Bekenntnis ihrer Christologie. Auch hier wird Jesus als Abbild des unsichtbaren Gottes verstanden. Patzia erklärt, dass das griechische Wort für „Bild“ in Vers 15 εἰκών (eikōn) ist. Es kommuniziert, dass Jesus Gott sichtbar gemacht hat und ihn perfekt offenbart hat. Durch Jesus ist der unsichtbare Gott für Menschen sichtbar geworden (2011:Col 1:15). Kol 1,19 und 2,9 ergänzt, dass Gott in seiner gesamten Fülle in Jesus gewohnt hat. Damit offenbart Jesus nicht nur einen Teil Gottes, sondern ihn in seiner ganzen Fülle. 

In 2 Kor 4,4 ist die Rede davon, dass der Gott dieser Welt den Ungläubigen den Sinn verblendet hat, damit diese „den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist“ (Schlachter) nicht sehen können. Auch hier wird Jesus von Paulus als Abbild (εἰκών eikōn) Gottes verstanden. In Vers 6 macht Paulus es noch deutlicher indem er verkündet, dass wir Gottes Herrlichkeit im Angesicht Jesu erkennen. 

In Joh 1,18 stellt Johannes klar, dass niemand Gott jemals gesehen hat, aber Jesus uns Gott offenbart hat. Cavey erklärt, dass das Wort „Exegese“ und das griechische Wort für „offenbart“ (ἐξηγέομαι exēgeomai) die gleiche Wurzel haben und beschreibt Jesus demnach als Gottes ultimative Auslegung und Beschreibung seiner selbst (Cavey 2017:57). Unger bestätigt diese Leseweise und ergänzt, dass Jesus der einzig wahre Offenbarer Gottes ist („the unique Revealer oft he Father“) (2014: John 1:18). 

Johannes definiert Gott als Liebe (ἀγάπη agapē) (1 Joh 4,8). Diese Agape-Liebe ist Gottes Wesen. Liebe ist nun ein Wort welches viele Menschen sehr unterschiedlich verstehen und definieren. Wir müssen nicht raten wie Gott das Wort Liebe füllt. Gott hat seine Liebe, sein Wesen, uns Menschen offenbart in seinem Sohn (V.9). Aber nicht nur generell durch das Leben seines Sohnes, sondern ganz besonders darin, dass Jesus unser Sündenproblem am Kreuz für uns gelöst hat. Am Kreuz wird Gottes Wesen, sein Charakter, seine Liebe sichtbar für alle Menschen zum Sehen.

Ist Jesus die höchste Offenbarung Gottes?

Jesus hat uns Gottes Wesen offenbart. Aber inwiefern ist seine Offenbarung höher oder wichtiger als das was im Alten Testament von Gott offenbart worden ist? Ist nicht alles in der Bibel gleichwertig wichtig? In Joh 5,36 sagt Jesus, dass sein Zeugnis größer ist als das von Johannes dem Täufer. In Mt 11,11 wird Johannes als der Größte aller bisher geborenen Menschen bezeichnet. Damit ist Johannes größer als alle anderen Propheten des Alten Testaments, aber das Zeugnis Jesu ist größer als das des Johannes. Dieselbe Idee ist in der Verklärung Jesu auf dem Berg zu finden (Lk 9,28-36). Mose, der für das alttestamentliche Gesetz steht und Elija, der für die Propheten steht, erscheinen auf dem Berg und Gott spricht zu den Jüngern und gebietet ihnen auf Jesus, seinen Sohn, zu hören (V.35). Damit erhebt Gott seinen Sohn Jesus über das Gesetz und die Propheten des Alten Testaments. Jesus erklärt, dass die Torah auf ihn verweist (Joh 5,39) und erhebt sich damit über die Torah. Derselbe Gedanke wird im Hebräerbrief kommuniziert in dem Jesus mit der Torah, Mose, Melchisedek und den Opfern verglichen wird und gezeigt wird, dass er über sie alle erhaben ist und sie alle übertrifft. Jesus verkündete, dass niemand den Vater kennt außer dem Sohn und diejenigen denen der Sohn den Vater offenbart (Mt 11,27). Es ist zu vermuten, dass Jesus hier hyperbolisch redet, wenn er sagt, dass niemand, was alle Personen des Alten Testaments einschließt, den Vater kennt. Vermutlich deutet er damit an, dass er Gott viel besser kennt als alle Menschen, die Gott nur bruchstückhaft erkennen können und er allein deshalb den Vater voll und ganz offenbaren kann.   

Fazit: Gott ist wie Jesus und wird immer wie Jesus ihn offenbart hat sein. Ramsey sagt zu dem Thema „God is Christlike, and in him is no un-Christlikeness at all“ („Gott ist wie Jesus, in ihm gibt es nichts was Jesu Charakter widerspricht“) (1969:9). 

Die Essenz Gottes ist Liebe

Wenn Jesus wirklich die höchste Offenbarung des Wesens Gottes ist, dann müssen wir uns fragen wie Jesus uns Gottes Charakter offenbart hat.

Jesus hat in seiner Lehre die Liebe in den Mittelpunkt gestellt (Mt 22,36-40), was dazu passt, dass Johannes Gott als Agape-Liebe beschreibt (1 Joh 4,8). Bonhoeffer hat es so formuliert: “Love…is the revelation of God. And the revelation of God is Jesus Christ” (1995:53). Wenn Agape-Liebe wirklich die Essenz Gottes und damit auch von Jesus ist, dann muss alles Wirken Jesu aus dieser Liebe heraus geboren und von ihr motiviert sein. Damit lebt Jesus uns vor wie Agape-Liebe praktisch im Leben aussieht und gibt und damit ein Vorbild dem wir nachfolgen können. 

Jesus hat Gottes Liebe demonstriert indem er Feindesliebe gelehrt (Mt 5,44) und vorgelebt hat (Lk 23,34). Er hat seine Jünger gelehrt jederzeit zu vergeben (Mt 18,21-22) und ihnen vergeben, wenn sie versagt haben (Joh 21,15-17). Er war demütig (Mk 10,45; Joh 13,2-7; Phil 2,5-11), hat Gewalt abgelehnt (Mt 5,9+38f; 26,52-54; Joh 18,36) und war voller Erbarmen (Mk 6,34). Jesus hatte keine großen Besitztümer (Lk 9,58) und hat dadurch gelehrt und vorgelebt, dass es nicht gut ist sich mit dem Herzen an Gegenstände und Geld zu hängen (Lk 12,15). Jesus hat uns Gott als den Gott der Agape-Liebe offenbart. Wenn wir wissen wollen wie Gott ist, dann müssen wir auf Jesus schauen! Jesus allein offenbart uns wie Gott wirklich ist. 

Gott ist (Agape-) Liebe! (1 Joh 4,8)

Bibliografie:

Bonhoeffer, Dietrich 1995. Ethics. Übers. von N.H. Smith. New York: Simon & Shuster

Cavey, Bruxy 2017. REUNION. Harrisonburg: Herald Press

Patzia, Arthur G. 2011. Ephesians, Colossians Philemon, in Gasque, W. Ward, Hubbard Jr., Robert L. & Johnston, Robert K. (eds): Understanding the Bible commentary series. Olive Tree Digitale Edition. Grand Rapids: BakerBooks

Radmacher, Earl D., Allen, Ronald B. & House, H. Wayne (eds) 2009. NKJV STUDY BIBLE: Second Edition. Olive Tree Digitale Edition. Nashville: Thomas Nelson

Ramsey, Michael 1969. God, Christ, and the Word: A Study in Contemporary Theology. London: SCM)

Unger, Merrill F. 2014. Unger’s Commentary on the Gospels. Olive Tree Digitale Edition. Chattanooga: AMG Publishers

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