Braucht Gott ein Opfer um zu vergeben? Wie hat Jesus seinen Tod verstanden?

Manchmal, wenn die gute Nachricht (das Evangelium) der Bibel verkündet wird, wird Gott als wütender Gott dargestellt, der das Menschenopfer seines eigenen Sohnes braucht, um seinen eigenen Zorn zu besänftigen. Ist das die gute Nachricht der Bibel? Viele Theologen behaupten, dass diese Interpretation eine eher abwegige, moderne (von Calvin verbreitete) Sicht ist, um die Ereignisse des Kreuzes zu verstehen. Diese Fehldeutung hat viel Schaden angerichtet, indem sie den Mythos der erlösenden Gewalt fördert und Gott als zornig und rachsüchtig darstellt.

Tatsächlich hat Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung viele verschiedene Dinge erreicht. Deshalb gibt uns die Bibel eine Vielzahl unterschiedlicher Bilder, um bestimmte Aspekte des Evangeliums zu beschreiben. Da es unmöglich ist, auf alle Punkte näher einzugehen, möchte ich an dieser Stelle den Fokus auf ein zentrales Thema lenken, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel zieht.  

Gleich zu Beginn der Bibel (Genesis 3,15) wird uns gesagt, was der kommende Retter, der Messias, erreichen wird: Er wird den Kopf der Schlange zertreten und dadurch die Mächte des Bösen besiegen, welche die Sünde, Leiden und Tod verursacht haben.

Wie hat Jesus seinen eigenen Tod verstanden?

Als wir Menschen zu Beginn der Zeit den bösen Mächten gehorchten, wurden wir ihnen und allem, wofür sie stehen, Untertan: Selbstsucht, Unmoral, Gier, Sünde und dem Tod. Deshalb bezeichnet Jesus den Satan, der alle bösen Mächte repräsentiert, als den Herrscher dieser Welt (Johannes 12,3; Epheser 2,2). Obwohl wir das Richtige tun wollen, tun wir oft das Böse, weil wir tief in unserem Herzen Sklaven dieser dunklen Mächte sind.

Eine zentrale Sache, die Jesus tat, war, den „Fürsten dieser Welt“ (Johannes 12,31) auszutreiben, indem er die Werke des Teufels zerstörte (1.Johannes 3,8). Jesus gab sein Leben „als Lösegeld für viele“ (Markus 10,45). Das Wort Lösegeld wurde normalerweise im Zusammenhang mit dem Freikauf eines Sklaven verwendet. Jesus verstand seinen Tod als Mittel, um uns aus der Sklaverei aller bösen Mächte und damit von Tod und Sünde zu befreien. Er griff den „starken Mann”, der uns versklavte, an und überwältigte ihn (Lukas 11,21-22; Kolosser 2,15). Jesus triumphierte über alle bösen Mächte und befreite uns aus ihrem Griff.

Um uns zu helfen, seinen Tod zu verstehen, gab uns Jesus kein schwer zu verdauendes Regelwerk, sondern eine befreiende Mahlzeit: das letzte Abendmahl. Jesus wählte absichtlich den Tag des Passahfestes, welches gefeiert wurde, um daran zu erinnern, wie Gott die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten gerettet hatte. Dadurch machte er klar, dass sein Tod im Lichte dieses Auszuges, des Exodus, aus der Dunkelheit hinaus in das verheißene Land des Lichts, verstanden werden muss: So wie Gott die Israeliten aus der Sklaverei des Pharaos rettete, brachte der Tod und die Auferstehung Jesu einen noch größeren Exodus hervor. Jesus bietet uns die Befreiung von unserem schlimmsten Feind an: die bösen Mächte, die unser Herz regieren und unser Leben mit Sünde und Tod füllen.

Immer wieder hat Jesus gezeigt, dass Gott Sünden ohne Opfer vergeben kann und will (Matthäus 9,2; Lukas 7,48). Inmitten von Folter und Schmerz bat Jesus den Vater, uns zu vergeben (Lukas 23,34) und weil Jesus und sein Vater immer eins sind, wissen wir, dass der Vater uns vergeben hat. Deshalb haben wir durch Jesus die Vergebung unserer Sünden. 

Dementsprechend verkündeten die ersten Gläubigen den Tod und die Auferstehung Jesu als einen herrlichen Triumph über alle Mächte des Bösen und der Sünde. Jesus machte den Schaden rückgängig, den Adam verursacht hatte (Römer 5,12-21; 1.Korinther 15,22). Allein durch Jesus sind wir wieder Teil seines königlichen Priestertums (1.Petrus 2,9), damit wir wieder Gottes Bild durch unser Leben reflektieren können (Genesis 1,27) und wieder in einer Beziehung mit ihm leben können. Wenn wir ihm gehorchen und folgen, heilt er unser zerbrochenes Herz und befähigt uns, andere mit seiner Liebe zu lieben, welche beständig Schönheit aus Asche hervorbringen will (Lukas 4,18).

Während wir in dieser Welt leben, werden wir den Sieg Jesu nur teilweise sehen und erleben. Aber wir wissen aus der Offenbarung, dass König Jesus eines Tages sein Reich vollständig errichten und alles Böse vollständig überwinden wird. Er wird seine ganze Schöpfung (Kolosser 1,20; 2.Korinther 5,19) in seinem vollkommenen Reich wiederherstellen. Dann werden Leiden, Tod, Sünde und Schmerz nicht mehr sein (Offenbarung 21,4). Dies ist das triumphale und herrliche Evangelium, das die ersten Gläubigen verkündeten (Hebräer 2,14+15; 1.Johannes 3,8; Kolosser 2,15).

Und diese Botschaft verkünden wir noch heute bis Jesus Christus wiederkommt.

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